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Drechslerei Kummert  aus Klötze in der Altmark - Alles aus Holz und rund - Holzdeko - Drehteile für Handwerk u. Industrie

 

 

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Zeitungsbeitrag vom 8.2.05 - Volksstimme Sachsen Anhalt - Altmark Wirtschaft

 

  Der Klötzer Drechslermeister Jürgen Kummert betreibt sein Handwerk in der sechsten Generation. Die Produktpalette wird den Erfordernissen der Zeit angepasst. Bereits seine Vorfahren konnten nur so betrieblich Überleben.  Fotos (2): Björn Menzel

Drechseln - Ein Beruf mit Tradition und Zukunft

Auch im alten Handwerk ist Innovation der Motor

Jürgen Kummert ist Drechslermeister in der sechsten Generation. 1816 gründeten seine Vorfahren den Handwerksbetrieb in Klötze. Der heutige Inhaber hat das gemacht, was alle vor ihm auch schon gemacht haben: den Betrieb von seinem Vater übernommen und stets auf den aktuellen Markt reagiert.

Von Björn Menzel

Klötze.  "Den Hahn und die Hühner muss ich unbedingt bis zum Ostergeschäft noch fertig bekommen", sagt Drechslermeister Jürgen Kummert aus Klötze. Bisher stehen nur die Prototypen zur Ansicht in seinem kleinen Laden in der Grünstraße.  „Ich glaube, die werden in diesem Jahr der Renner", ist der Handwerker überzeugt .Er hat im Laufe der Jahre ein Gespür dafür bekommen, was seine Kunden mögen. Seit 2000 betreibt er diesen Laden mit den handgefertigten Drechslereien. " Vor zehn Jahren hätte niemand die Holzkunstwerke gekauft" – erzählt er weiter. Damals, nach der Wende, boomte der Bau.

Mit zwölf Mitarbeitern hat er zu dieser Zeit Treppen, Türen und Fenster hergestellt und montiert. Das ging bis 1995 gut. Dann brach die Baubranche fast ganz in sich zusammen. ,,Ich musste bis auf drei Leute alle entlassen und mich auf andere Geschäftsfelder vorwagen", erinnert er sich. Sich auf die jeweilige Marktsituation einzustellen, ist für die Betriebsinhaber nicht neu. Jürgen Kummert betreibt die Drechslerei in der sechsten Generation. Seit 1816 gibt es sie schon und sie ist damit der älteste Handwerksbetrieb in der Altmarkstadt Klötze. Sein Ur-Ur-Ur-Großvater hat die Firma gegründet. Schon damals wurde immer das gebaut, was gebraucht wurde. Anfangs war es die Fertigung von Spinnrädern, Haspeln und Garnwinden, womit die Kummerts ihren Lebensunterhalt verdienten. Stets wurde erweitert, erneuert und umgestellt. Als zum Beispiel die Web- und Spinngeräte nicht mehr gebraucht wurden, drechselten die Handwerker Heuharken und Sensenbäume.

Zu DDR-Zeiten mussten wir diese Produkte zu Festpreisen von 1945 bauen, erzählt mir mein Vater heute noch, berichtet Jürgen Kummert. Also fertigte man Schalen, Teller, Lampen, Schaukelstühle oder Beistelltische. Heute sind es eben Eulen, Schneemänner, Raben und Maulwürfe. Alle aus eigener Produktion und was für Jürgen Kummert viel wichtiger ist, alle sind von ihm selbst entworfen. So macht der Drechslermeister heute das, was er eigentlich schon immer machen wollte: künstlerisch tätig sein. Damals hat man mir das Studium zum Holzgestalter untersagt, weil mein Vater ein Privater war", erzählt der 45-jährige mehr mit einem lachenden, als einem weinenden Auge. Nun ist er stolz auf seine Entwürfe. Alles kommt aus einer Hand, vom Entwurf über die Produktion bis hin zum Vertrieb im eigenen Laden oder auf Märkten der Umgebung.

Viele Vorteile ergeben sich daraus. Die Einsatzkosten sind überschaubar, man kann sofort auf den Markt reagieren und die Produkte sind in dieser Form woanders nicht zu bekommen .

Die Kunden kommen von weit her in den Klötzer Laden. Die Nachfrage ist so groß, dass 2004 seit langem wieder ein Lehrling eingestellt werden konnte. „Man muss sich bewegen, sonst wird man bewegt", fällt Kummert dazu ein .

30 Prozent des Umsatzes machen seine Holzkunstdrechslereien schon aus. Daneben hat er sich spezialisiert auf den Formenbau für Steingießer und besonders aufwendige Treppenläufe. Kummert freut sich:  „Im Bugatti-Autohaus  in Wolfsburg sind zum Beispiel welche von mir verbaut".

Auch das Zuliefergeschäft stabilisiert sich wieder. Überhaupt haben er und viele seiner Kollegen der Handwerkszunft momentan das Gefühl, dass sich zur Zeit etwas bewegt: „Es wird nicht besser, aber anders.“

Der Drechslermeister wähnt sich auf dem richtigen Weg und ist damit zufrieden wo er jetzt steht. „Auch im alten Handwerk ist Innovation der Motor der Zukunft", so Kummert.

 

Letzte Änderung : 28.02.2015